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Sein Leben mit einem Partner zu teilen entspricht einem starken Bedürfnis des Menschen. Während die Biologie auf Arterhaltung abzielt, steht bei der Soziologie das Teilen von Gemeinsamem im Vordergrund. Tatsächlich sind nur wenige Menschen glücklich mit einem Einzelgängerdasein, oder moderner ausgedrückt, Single-Leben. Alle anderen versuchen mehr oder weniger rasch und zielstrebig, an ihrer Seite wieder einen Begleiter auf der Reise durchs Leben zu finden. Mindestens für den nächsten Abschnitt.

Partnerschaft

Ressourcen ...

In einer Partnerschaft werden idealerweise eine ganze Reihe von Grundbedürfnissen erfüllt: Nähe, Geborgenheit, Vertrautheit, Austausch von emotionalen und kognitiven Inhalten, Zärtlichkeit, Sexualität, gemeinsame Unternehmungen und Hobbies, Arbeitsteilung im Alltag, möglicherweise sogar im Geschäft, emotionale, soziale und materielle Sicherheit. In einer erfüllenden Partnerschaft erleben die Partner Wertschätzung, Unterstützung, Respekt – was wiederum das eigene Selbstvertrauen und allgemein das Selbstbild stärkt. Menschen in einer befriedigenden Beziehung sind zufriedener, ausgeglichener, emotional stabiler, erleben generell eine höhere Lebensqualität, verhalten sich oft gesundheitsbewusster, sind offener und kommunikativer, gesünder und leben länger.

... und Kehrseite

So betrachtet ist eine Partnerschaft ein Ausbund an Ressourcen und jeder zu bedauern, der nicht in den Genuss der erwähnten Vorteile kommt. Wie alles hat jedoch auch die Partnerschaft ihre Schattenseiten: aus Nähe kann Einengung werden, aus Vertrautheit Langeweile, aus Sicherheit erdrückende Verpflichtung, aus anregendem Austausch leerer Inhalt. Immer wieder fragt man sich, was aus den tiefen, durchaus ehrlich gemeinten Gefühlen von Schmetterlingen, echter Liebe und Verbundenheit geworden ist. Wo sind die gemeinsamen Träume geblieben, die gegenseitigen Versprechen von Treue und Liebe, die Sicherheit, den Richtigen gefunden zu haben?

Der sicherste Weg, einer schmerzhaften Trennung auszuweichen, ist, keine Beziehung einzugehen. Immerhin gibt es zunehmend mehr Menschen, die diesen Weg wählen – oft in der zweiten Lebenshälfte nach einer Reihe von enttäuschenden Versuchen. Allein, die Statistik zeigt, dass dieser Weg nicht wirklich glücklich macht … wobei er zugegebenermassen einfacher zu gehen ist. Allerdings auch nicht schmerzfrei, denn das Alleinsein sticht den meisten spitz ins Herz, spätestens zu Weihnachten, Neujahr und ähnlichen sozial geprägten Festen. Oder aber in den Ferien, wenn man alleine an seinem Tisch sitzt ...

Das Hin und Her, die Ambivalenz macht Vielen ab Mitte Dreissig zu schaffen. Ohne bewusste Auseinandersetzung resultiert oft eine zähflüssige Mischung: fantasieloser Beziehungsalltag, stabiles soziales Umfeld und gesicherte finanzielle Verhältnisse auf Kosten des Gefühls des lebendig-Seins, Überraschungen und Herausforderungen.

Scheitern

das Wunschbild vom perfekten Partner
Die Psychologie ist immer zur Stelle, wenn es darum geht, eine Tragödie zu erklären. Partnerschaft, sagt der Psychologe, kann dauerhaft gar nicht funktionieren. Weil der Mensch nicht den Partner sieht und liebt, sondern stets nur seine eigenen Wünsche und Befürchtungen. In zwei Bereichen werden die meisten Menschen schon als Meister geboren: im Verdrängen von Unangenehmen und im sich-Verbeissen auf das Gewünschte. Selbstverständlich hat jeder Mensch Bedürfnisse und Erwartungen an einen Partner. Trifft er nun auf seinem Lebensweg einen Menschen, der annähernd einige davon erfüllen könnte, wird vornehmlich auf diese Punkte geachtet. Beispielsweise: er ist so charmant, so zuverlässig, kann gut mit Kindern umgehen, steht mit beiden Beinen im Leben, hat einen gut bezahlten Job. Übersehen werden geflissentlich jene Bereiche, die weniger attraktiv sind: er hängt mit Freunden bis spät nachts herum, trinkt zuviel, hat einen sehr lockeren Umgang mit anderen Frauen, nimmt es mit dem Gesetz nicht so genau …

Von aussen ist das Spiel oft einfach zu durchschauen: Freunde und Kollegen sehen früh, dass sich die Betroffenen etwas vormachen – die Unterschiede sind grösser als die Gemeinsamkeiten. Aber die Betroffenen selbst wollen es nicht wahrhaben. Zu sehr wünschen sie sich, dass die Beziehung klappt. Kommt noch ein Kinderwunsch dazu, ist es mit der Objektivität sowieso schlecht bestellt. Jeder gut gemeinte Hinweise der Kollegin wird in den Topf ‚Neid’ entsorgt und gleich wieder vergessen. Je nach Alter tragen auch die Hormone tüchtig dazu bei, dass die Rationalität und Objektivität ihren Dienst versagen. Jedoch – früher oder später kommt die Ernüchterung, manchmal nach Monaten, nach Jahren, gelegentlich auch nach Jahrzehnten. Wie Schuppen fällt es einem von den Augen und man fragt sich, wo man all die Zeit nur hingeguckt hat … Das Phänomen des blinden Fleckes.

mangelnde Sorgfalt
Die verschobene Wahrnehmung ist jedoch nicht das einzige Muster, warum Beziehungen zerbrechen. Es finden sich auch Menschen, die tatsächlich gut zusammen passen, die sich trotz Wünschen und selektiver Wahrnehmung einigermassen so sehen, wie sie sind. Die dem anderen auch zugestehen können, nicht genau so zu sein, wie sie ihn gerne hätten. Dann sind schon mal gute Voraussetzungen gegeben. Aber Zuneigung und Toleranz alleine genügen nicht. Eine Beziehung ist wie ein eigenes Wesen – es muss ständig genährt werden. Und genau hierbei scheitern viele Partner. Eine Partnerschaft erfordert viel Aufmerksamkeit, viel Sorgfalt, Hingabe und Achtsamkeit. Aber auch damit ist es noch nicht getan. Darüber hinaus sind Kreativität, Ausdauer, Verständnis und Originalität notwendig, eine Beziehung lebendig zu erhalten. Gerade wenn man sich gut versteht, viele gemeinsame Interessen und Grundwerte hat besteht die Gefahr, dass die Beziehung langweilig wird. Bei Trennungen dieser Art fragt man sich nicht, wo man denn nur hingeguckt hat, sondern, wieso man trotz der vielen Gemeinsamkeiten es nicht geschafft hat, die Beziehung am Leben zu erhalten. Das Phänomen der verpassten Chance.

Leistung und Wahlfreiheit
Erfreulicherweise gibt es tatsächlich Paare, denen das Abenteuer ‚Partnerschaft’ über Jahrzehnte hinweg erfolgreich und erfüllend gelungen ist. Dahinter steckt eine grosse Leistung, die Anerkennung verdient und vielleicht sogar Ansporn sein kann. Allen anderen stellt das Leben eine Wahl. In der alten Situation zu verharren, den Vorteil des Vertrauten zu geniessen auf Kosten der Zufriedenheit. Oder aber, aufzubrechen zu neuen Ufern, das Risiko schmerzhafter Trennung und unglücklichen Alleinseins auf sich zu nehmen – mit der Hoffnung auf eine erfüllendere Beziehung.

Trennung

Eine Trennung fällt oft aus mehreren Gründen schwer. Es ist schwer, sich einzugestehen, dass die Träume zerplatzt sind, dass man es nicht geschafft hat, dass man nicht ehrlich mit sich selbst und ev. mit dem anderen war. Falls Kinder da sind, können Schuldgefühle entstehen, bangende Fragen über deren Zukunft. Die Aussicht, das Leben wieder alleine meistern zu müssen, löst sehr oft Angst aus. Und vielleicht schmerzt auch die Trennung von einem Menschen, den man immer noch liebt, mit dem man aber trotz allem nicht zusammenleben kann. Viele Partner verlieren bei einer Trennung nicht nur den anderen, sondern die Zugehörigkeit einer Familie, eines Freundeskreises – gelegentlich verlieren sie das ganze soziale Umfeld.

Mit all diesen Gefühlen, Vorstellungen und Gedanken gehen die Menschen unterschiedlich um. Viele werden hart, schieben ihre eigenen Gefühle weit hinunter ins Unbewusste. Flüchten in die Arbeit, in den Konsum oder in eine nächste Beziehung. Werden wütend auf den Partner, geben diesem für alles die Schuld - oder nehmen alles auf sich und werden depressiv …

 

Fairness

Veränderung ist unvermeidlich. Nichts bleibt so, wie es ist – denn alles, was einen Anfang hat, hat ein Ende. Manchmal bedeutet Veränderung Trennung. Wir sind der Meinung, dass Trennung nicht gleich zu setzen ist mit Scheitern, Streit, Schmerz und Verletzung. Trennung kann in Würde geschehen, mit Respekt und Achtung.

Das Auseinandergehen bietet wertvolle Gelegenheiten:

  • zurückblicken und das schätzen, was kostbar und bereichernd war – auch wenn es aktuell nicht mehr so erlebt wird
  • sich eigener Verhaltensweisen bewusst werden, die wenig zieldienlich sind und spätere Partnerschaften gefährden könnten
  • verzeihen, sich selbst und dem anderen, für Fehler, die man gemacht hat und für Chancen, die man verpasst hat
  • würdigen, sich selbst und den anderen, für alles was man versucht und geleistet hat
  • dankbar sein für die vergangenen schönen Momente – auch wenn es gerade jetzt scheint, als seien es wenige gewesen
  • Abschied nehmen von der einen Liebe - und sich so öffnen für eine neue

Eine Trennung ist wie ein Todesfall. Mit der Beziehung werden liebevolle Gefühle definitiv begraben – und die Hoffnung, sie je wieder in dieser Konstellation leben zu können. Menschen gehen verloren, manche sieht man nie mehr. Die Erfahrung zeigt, dass ein bewusstes Erleben des Schmerzes, verbunden mit Gefühlen von Dankbarkeit, Respekt und Achtung, den Betroffenen helfen, über die Situation hinweg zu kommen. Das Herz braucht Zeit und Raum, um heilen zu können. Wird in dieser sensiblen Zeit Krieg geführt gegen den ehemals Geliebten, vertiefen sich die Wunden spürbar. Und die Chancen für eine neue, erfüllende Partnerschaft nehmen ab.

Wer sich selbst etwas Gutes tun möchte, trennt sich fair, respekt- und würdevoll von seinem Partner. Begegnet ihm mit Anstand, wenn möglich sogar mit Wertschätzung. Dann ist es möglich, aus der Trennung Kraft zu schöpfen, trotz Schmerz und Leid.

Gerne unterstützen wir Sie bei diesem Prozess.

Rolf Victor Heim

Dr. med.

beruflicher Werdegang, Spezialisierung
Nach dem Medizinstudium arbeitete Rolf Heim als Abteilungsarzt in psychiatrischen Kliniken, bevor er im Frühling 2000 zum Institut für Arbeitsmedizin, Baden, wechselte. Dortige Haupttätigkeitsbereiche: Arbeitsmedizin, Gesundheitsförderung, Schulungen, Beratung, Coaching und Therapie. Seit Juli 2010 selbständige Praxistätigkeit in Holderbank AG. Seit 22 Jahren unterrichtet er Yoga und Meditation. 1998 - 2007 dozierte er in Psychosomatik und Psychologie für komplementär-medizinische TherapeutInnen.

Aus- und Weiterbildungen

  • Medizinstudium
  • hypno-systemische Therapie und Beratung
  • Existenzanalyse & Logotherapie
  • systemische Familientherapie
  • Focusing und Gesprächspsychotherapie
  • Verhaltenstherapie
  • Hypnose & Entspannungsmethoden
  • spirituelle Psychotherapie
  • Yoga und Meditation nach S. Yesudian und E. Haich

Kontakt: rolf.heim@praxisholderbank.ch

 

Unsere Adresse

Praxis für psychische Gesundheit
Eichhaldenweg 17
CH-5113 Holderbank AG

T: +41 79 776 09 75
E: rolf.heim@praxisholderbank.ch 

  • Parkplätze an der Strasse vor dem Haus (Fahrtrichtung aufwärts -> rechts) oder in Garageneinfahrt, wenn frei.

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